Das österreichische D-Netz

Als die damalige Post- und Telegraphenverwaltung (PTV) den Startschuss zum D-Netz gab, läutete sie damit das Zeitalter des Handys in Österreich ein. Das D-Netz sollte erstmals wirklich tragbare Mobiltelefone bringen. Aber zurück zum Anfang.
 

Geschichte des Mobilfunks in Österreich

Wir schreiben das Jahr 1975. Damals errichtete die PTV ein Personenrufsystem erstmals in Österreich. Die damalige Ausschreibung gewann damals Motorola, die in Amerika Lieferant nahezu aller verwendeten Funksystemen waren. ÖPR1 war geboren. Was zunächst nur ein Feldversuch bei einer Olympiade war entwickelte sich zum Standartausrüstung eines Journalisten oder Arztes. Bis 1988 wurden rund 54.000 Teilnehmer gezählt. Als Generalimporteur der Anlagen von Motorola trat die wiener Center-Funk auf den Plan.
1980 wurde ebenfalls von Motorola das B-Netz geliefert und von der PTV in Betrieb genommen. Dieses System wurde von bis zu 2000 Teilnehmern genützt und gilt als Pionier des Mobilfunks, da hier bereits mit dem in Deutschland vorhanden B-Netz „geroamt“ werden konnte. Leider waren die Anlagen auf der Teilnehmerseite nahezu so groß wie die auf der PTV-Seite. Auch deren Preis lag in luftigen Höhen und so wurden B-Netz Geräte vor allem in großen Spitzenklasse-Fahrzeugen eingebaut. 1984 wurde der Nachfolger des B-Netzes von der PTV und Motorola vorgestellt. Das C-Netz sollte 15 Jahre lang „on-air“ und auch außerhalb eines KFZ benutzbar sein. Die Geräte waren ca. „kofferradio-groß“ und gab hier auch bereits das Handover. C-Netz-Telefone wurden auch für die Zugs-Münzer in ÖBB-Wagons verwendet. Doch noch immer waren Mobiltelefone viel zu groß und zu kompliziert zu bedienen.
Die Erfolge in der Halbleiterindustrie, vor allem am Gebiet der Mikroprozessortechnologie ermöglichten den Herstellern Mobilfunksysteme zu verbessern. 1988 wurden nahezu zeitgleich das neue Personenrufsystem ÖPR2 (später CALL:ME) und das D-Netz in Betrieb genommen. Der Tradition folgend natürlich von Motorola und Centerfunk. Die PTV löste damit einen Boom aus der damals noch als unwahrscheinlich galt. ÖPR ermöglichte eine Nummernfolge oder Zeichen zu übertragen. Die Errungenschaften der Mikroprozessoren äußerten sich nicht nur in der Funktionalität der Geräte sondern auch in deren Größe. Sowohl Pager als auch Mobiltelefon wurden kleiner. Beim Mobiltelefon war dies drastisch bemerkbar.
Das D-Netz wurde Etappenweise errichtet und deckt heute nahe zu 99,9% des österreichischen Bundesgebietes ab. Wiedereinmal kam das Equipment von Motorola. Center und Motorola gründeten extra für das D-Netz eine Betrieb- und Instandhaltungsabteilung. Durch den Erfolg von D-Netz sollte Motorola ein Partner von der späteren mobilkom werden um auch zukünftige Systeme in Österreich zu etablieren.
 

D-Netz Technik

Das D-Netz ist ein Derivat des AMPS (Advanced-Mobile-Phone-Standards). Dieser ist heute in Nordamerika noch sehr weit verbreitet und existiert in den unterschiedlichsten Varianten und Formen. Motorola adaptierte AMPS für Europa und nannte es TACS (Total-Access-Communication-System). Es stellt das Gegenstück zu dem Nordischen-Standard (NMT) von Nokia und Ericsson dar, oder das daran in Deutschland angelehnte als C-Netz oder C-Tel von T-Mobil bekannt ist. Diese Systeme sind sich sehr ähnlich allerdings nicht miteinander kompatibel.
Das österreichische D-Netz wird zum „Leidwesen“ von A1 und max. genau im GSM-Bereich, und zwar von 890 MHz bis 960 MHz. Zum Glück, war beim Aufbau D-Netzes schon klar, dass in Europa bald ein digitales, länderübergreifendes System in Probe-Betrieb gehen wird. Daher ließ man im D-Netz den Bereich von 905MHz bis 915 MHz und von 950 MHz bis 960 MHz  frei, der von GSM in den Bereichen von 905,2 MHz bis 914,8 MHz und von 950,2 MHz  bis 959,8 MHz genutzt wird.  Somit entstehen zwei Blöcke. Einer von 890 MHz bis 905 MHz und einer von 915 MHz bis 950 MHz. Da es genauso viele Up- wie auch Downlinkkanäle geben muss und das D-Netz einen Duplexabstand von 45 MHz zwischen Up- und Downlink hat entsteht nun ein wirklich nutzbarer Bereich von 890 MHz bis 905 MHz und ein zweiter von 935 MHz bis 950 MHz. Der Bereich von 915 MHz bis 935 MHz kann weder von GSM noch vom D-Netz genutzt werden. Diese Eigenheit unterscheidet das D-Netz von den AMPS-Netzen in Nordamerika, die das volle GSM-Spektrum nützen, weshalb GSM in den Nordamerika auch auf 1900 MHz funkt (PCS1900).

Es stehen pro Frequenzblock 1000 Kanäle zu Verfügung. Da es sich um beim D-Netz um ein zellulares Netzwerk handelt, wird jeder Kanal ca. 2-4 mal im ganzen Bundesgebiet benutzt. Die einzelnen Sender sind ca. 10 - 1,5km voneinander entfernt. Im städtischen Bereich ist der Abstand der einzelnen Sender zueinander, aufgrund der hohen Auslastung etwas geringer, als am Land. Ein Beispiel: In Wien-Floridsdorf steht ein Sender am Dach des alten Wählamtes in der Weisselgasse. Der nächste Sender steht in Wien-Donaustadt am Dach des Donauzentrums. Die beiden Anlagen sind von einander ca. 2,5 km entfern. Wien liegt der Radius der Zellen irgendwo zwischen 2-3 km. Mehr ist auch nicht nötig, da das D-Netz ca. 200.000 Kunden hat, von denen die meisten am Land zu hause sind. Dies ist aufgrund der hohen Zuverlässigkeit von D gegenüber GSM im Gelände zurückzuführen. Obwohl D und GSM das selbe Frequenzspektrum nutzten, ist auf grund der analogen Übertragung auch eine Verständigung noch möglich wenn bei GSM nur noch im 2-Sekundentakt Wortfetzen ankommen. Anders als bei GSM wird im städtischen Bereich eine Zelle in sechs einzelne Sektoren unterteilt, bei GSM sind es ja nur drei. Diese sind im 60° Winkel zueinander angeordnet. Deshalb sind im städtischen Bereich auch immer sechs Antennen an einem Standort montiert, was allerdings im Gegensatz zum ländlichen Bereich steht. Hier werden teilweise nur Rundstrahler verwendet (Auch bei GSM).
 

Aufbau des Netzes

Der Aufbau des D-Netzes ähnelt am ersten Blick dem vom GSM. Allerdings gibt es einige grundlegende Unterschiede. Die BTS hängen an einem Controller und sind zu Clustern zusammengefasst. Diese Controller werden EMX (Electronic Mobile Exchange) genannt. Sie kontrollieren ca. 50-100 BTS. Jedes EMX ist mit jedem verbunden. Weiters ist jedes EMX an eine OES-Vermittlungsstelle angeschlossen, was die Verbindung zur drahtgebundenen Systemen sowie anderen Mobilfunksystemen. Hier liegt auch der Unterschied zu GSM. Während beim D-Netz die EMX miteinander verbunden sind und alle Abläufe im Netz steuern, ist wird bei GSM noch in BSC (Base Station Controller) und MSC (Multi Switching Center) getrennt, wobei das BSC die BTS steuert und das MSC die Abläufe im Netz steuert und die Verbindung zur Außenwelt herstellt.

Die einzelnen EMX sind mit Datenleitungen zu Signalisierung miteinander verbunden, die eine max. Übertragungsrate von 4800 bit/s haben. Dies darf aber nicht mit den Nutzkanälen verwechselt werden, die getrennt übertragen werden.
Bei TACS ist eine analoge Übertragung von max. 9 kHz für das Nutzsignal möglich. Sie werden frequenzmoduliert (FM). Die Signalisierung zwischen BTS und MS findet digital mit 8kbits/s statt. Dies geschieht mit einer FSK (Frequency Shift Keying). Das heißt, dass digital und analog gesendet wird. Ähnlich wie bei GSM wird ein Signalisierungskanal in weitere Kanäle unterteilt:

.) DCCH (Dedicated Control Channel)
Er steuert die grundlegenden Signalisierungsabläufe. Wird ein Gerät eingeschalten, so wird von der MS wie bei GSM das ganze Spektrum durchlaufen. Ähnlich wie bei GSM wird von der MS der Signalisierungskanal mit dem bestem Pegel ausgewählt um die Startsignalisierung zu beginnen. Hier werden der MS von der BTS nun ständig freie Nutzkanäle signalisiert. Im Gegensatz zu GSM darf bei TACS jede MS einbuchen. Die Authentisierung findet erst beim Gesprächsaufbau statt. Bei der „Anmeldung“ am Netz wird vom der MS kurz Informationen über das Gerät, sprich die Rufnummer, die fix in das Gerät einprogrammiert ist, übertragen. Hier wird weiter das Gerät in einer art HLR gesucht. Wird es gefunden so werden Anrufumleitungen auf Mobilbox oder Sprachansagen aufgehoben.

.) PCH (Paging Channel – Rufkanal)
 
.) ACCH (Access Control Channel – Zugriff-Kanäle)
 
Gesprächsannahme / Gesprächsaufbau

Soll ein D-Netz-Teilnehmer angerufen werden so muss am Telefon die Nummer des Teilnehmers gewählt werden. In der Anfangsphase des D-Netzes wurden nur 6-Stellige Rufnummern vergeben. Dies ist darauf zurück zuführen, dass das D-Netz nur für eine maximale Kapazität von 150.000 Teilnehmern geplant war und niemand 1987 es für möglich hielt, das in Österreich einmal mehrere hunderttausend D-Netz Teilnehmer geben wird. Da diese Zahl um das Doppelte übertroffen wurde, mussten die Rufnummern erweitert werden. Sie wurden 7-stellig. Da man die Kunden mit nur 6-stelligen Nummern, aus verschiedenen Gründen, so z.B. hatte das C-Netz die selbe Vorwahl wie das D-Netz und war somit im selben Rufnummerplan gefangen, nicht so einfach umstellen konnte, wurde vor die Nummer dieser Kunden einfach eine 9 gesetzt. Sprich aus 0663/ 012345 wurde 0663/ 9012345. Die galt natürlich auch für die C-Netz-Kunden. Die Vorwahl 0663 ist eigentlich, wenn man nach dem Rufnummerplan der PTV geht eine Salzburger Vorwahl. 0662 ist Salzburg-Stadt und die höchste im Bundesland vergebene Vorwahl. Da andere Bundesländer zwar auch freie Vorwahlen hatten, die allerdings teilweise 5-stellig waren und nur sehr schlecht zu merken entschied man sich bei der Aktivierung des C-Netzes für 0663. Beim B-Netz gab es keine allgemeine Vorwahl. Hier musste man wissen in welcher Region sich der Teilnehmer befindet. War z.B. in Wien, so musste man 0222 und dann die Einwahlnummer des B-Netzes in Wien wählen. Danach die Teilnehmernummer. Da dies sowie die Verrechnung etwas undurchschaubar waren ging man ebenfalls zu einer einheitlichen Vorwahl über. Die Lokalisierung erfolgt durch das Netz und nicht durch den A-Teilnehmer. Dieses System wurde dann später auch für Call:Me (ÖPR2) mit 0669, für A1 (E-Netz) mit 0664 sowie für max.mobil. mit 0676, One mit 0699 oder Telering mit 0650 aber auch 0660, für Nummern zum Ortstarif, das wie Call:Me Geschichte wurde, gewählt. Diese leichte Zuordnung von Rufnummer zu Netz ermöglicht den Kunden auch das Erkennen zur Art und vor allem Höhe der Verrechnung, bei einem Anruf einer solchen Nummer. Aber zurück zum D-Netz.
Wird nun z.B. 0663/9012345 gewählt so, wird zunächst der gewärtige Ort, wo sich die MS aufhält ausfindig gemacht. Ist die Rufnummer falsch, oder das Gerät schon abgemeldet, so wir auf „Die gewählte Rufnummer ist ungültig“ umgeleitet. Ist der Rufnummer zwar „gültig“ aber das Gerät abgeschaltet oder außer Reichweite, so wird auf die Mobilbox umgeleitet.
Ist die Region des Mobilteiles bekannt so wird am Paging-Channel nach dem Mobilteil „ausgerufen“. Das Mobilteil meldet sich, wenn es die Nachricht empfängt, kurz darauf mit einem Systemzugriff und überträgt seine Nummer zur Überprüfung. Dies wird auf einem freien Zugriffskanal, den das Gerät nach dem Paging zu suchen beginnt, durchgeführt. Nun hat das System genau feststellen können, wo sich das Gerät befindet, und dass es überhaupt noch eingeschaltet ist. Nach einer kurzen Prozedur zur Auswahl des richtigen Signalisierungskanal, wir der MS mitgeteilt welchen Nutzkanal sie benutzten soll. Weiters wird ihr noch die Art des Überprüfungssignals mitgeteilt. Dieses Signal wir auch SAT (Supervisory Audio Tone) genannt. Es dient zur Ermittlung der Verbindungsqualität. Hierbei wird von der BTS ein Ton im Bereich von 6 kHz im Sprachkanal an die MS gesendet. Diese sendet ihn ebenfalls im Sprachkanal wieder zurück. Ist der zurückgesandte Ton der richtige Ton mit einer passablen Qualität, so kann der Sprachkanal benutzt werden. Ist er allerdings der Falsche oder stimmt die Güte nicht so muss der Kanal gewechselt werden. Weiters wir zu MS nun auch übertragen, dass es sich um einen Anruf handelt. Die MS beginnt zu läuten und beginnt nun gleichzeitig am zugewiesenen Sprechkanal einen 11 kHz zu senden. Hebt nun jemand ab, so wird nun der 11 kHz-Ton unterbrochen und der rufende wird auf den Sprechkanal aufgeschalten.

Ähnlich wie bei Gesprächsannahme verhält es sich auch beim Gesprächsaufbau. Vom Teilnehmer an der MS-Seite wir eine Nummer eingeben. Auch hier wieder eine Spezialität: Beim D-Netz muss die erste Null einer Nummer weggelassen werden. Also aus 0800/664 800 wird 800 664 800 oder aus 0049/172/1234567 wird 049/172/1234567. Dies ist darauf zurück zuführen, dass man sich aus dem D-Netz auf jeden Fall „rauswählen“ muss. Dies steht zum krassen Gegensatz zu GSM. Hier können Gespräche auch auf  Netzebene von GSM zu GSM bleiben, obwohl natürlich auch eine 0 am Anfang steht. Ruft nun ein D-Netz Kunde einen D-Netz Kunden an so muss er sich sowieso zunächst einmal „rauswählen“ und wird dann wieder zum anderen Teilnehmer „hineingewählt“. Da die Null am Anfang also unnötig ist und in Geräten der ersten Stunde nur wenig Speicher zu Verfügung stand (wenn überhaupt), ließ man die Null weg. Dies war auch schon beim C-Netz so.
Ist nun die Nummer eingetippt und wir auf abheben gedrückt, so beginnt die selbe prozedur wie beim Passivruf. Die MS kontaktiert die BTS auf einem freien Access-Kanal. Dieser wird der MS ständig durch die BTS auf einem der Rufkanäle mitgeteilt. Ein Systemzugriff wird gemeldet und die MS beginnt ihre eigene Rufnummer zu senden plus der Nummer des zu erreichenden Teilnehmers. Nach einer kurzen Prozedur zur Auswahl des richtigen Signalisierungskanal, wir der MS mitgeteilt welchen Nutzkanal sie benutzten soll. Weiters wird ihr noch die Art des SAT mitgeteilt. Ist mit dem SAT alles in Ordnung wird die MS direkt auf eine freie Leitung zur Vermittlungsstelle aufgeschaltet. Hier wird nun je nach Geräteart die signalisiert, dass gewählt wird.
Um nun während des Gespräches ebenfalls Tastatureingaben an die BTS zu übertragen, wird der Lautsprecher beider Teilnehmer stumm geschaltet. Nun wird ein kurzer 8kHz übertragen. Die BTS erkennt dies und sendet an die MS zurück, die zu übertragende Eingabe am Sprechkanal zu senden. Dies wird von der BTS quittiert und sofort an die Vermittlungsstelle weitergegeben. Danach werden die beiden Teilnehmer wieder miteinander verbunden.

Ist das Gespräch nun zu Ende so drückt der Teilnehmer auf der MS auf auflegen oder legt bei älteren Geräten einfach auf. Nun wird am Sprachkanal, für den Teilnehmer nicht mehr hörbar ein ca. 2 Sekunden langer 8 kHz-Ton gesendet. Dies wird von der BTS empfangen und das Gespräch gilt als beendet. Die BTS leitet die entsprechenden Schritte für die Beendigung des Gespräches auch auf Seite des anderen Teilnehmers ein. Die MS fällt wieder in den IDLE-Mode.

Das D-Netz-Handover

Dieses steht im krassen Gegensatz zu einem GSM-Handover. Wie bei GSM wir während des Gesprächs ständig der Pegel des zugewiesenen Kanals gemessen. Das ist auch schon das einzige was gleich ist. Die MS informiert die BTS, dafür wird das Gespräch für 400ms Sekunden unterbrochen und am Sprachkanal digital die Aufforderung übertragen, und diese in weiterer Folge bei Intercell-Handover den EMX, dass ein Handover notwendig ist. Die BTS misst nun in den eigenen Sektoren die Feldstärke des Signals der MS. Ist nun der Pegel in einer der Sektoren besser als im andern so wird überprüft ob ein Kanal in diesem Sektor frei ist. Ist dies der Fall, so kann die neue Kanalnummer in Form einer kurzen Unterbrechung (400ms) im Gespräch an die MS weitergegeben werden, die daraufhin umschaltet. Das Intracell-Handover ist durchgeführt  Ist kein Kanal mit einem höheren Pegel vorhanden, so wird das dem EMX von der BTS gemeldet. Die EMX beauftragt nun die umliegenden Zellen und Sektoren den Pegel des Signals der MS zu messen. Wird nun ein Sektor oder eine Zelle gefunden, wo der Empfang besser ist. So wird mit der selben Prozedur wie beim Intracell-Handover durchgeführt.
 
Das Ende des D-Netzes:

Presseinformation der mobilkom austria vom 12.10.2001:

Mobilkom Austria trennt sich mit 28. Februar 2002 auf dem Weg in das nächste technologische Zeitalter von seinem analogen Netz. Die seit 1990 bestehenden D-Netz Sende- standorte wird Mobilkom Austria für den bereits laufenden UMTS-Ausbau nutzen: Ein Großteil der Infrastruktur kann für das zukünftige UMTS-Netz verwendet werden. 

„Aufgrund des GSM-Booms und der Möglichkeit, mit GPRS den nächsten technologischen Sprung zu nehmen, verringert sich die D-Netz Kundenzahl täglich. Derzeit verwenden kaum zwei Drittel der bestehenden D-Netz Kunden ihr 0663-Handy auch tatsächlich“, begründet Dipl.-Ing. Dr. Boris Nemsic, Generaldirektor Mobilkom Austria, die Entscheidung. Kunden, die noch über einen analogen Mobilfunkanschluss verfügen, erhalten ein attraktives Umstiegsangebot auf A1 mit der Möglichkeit, die Rufnummer beizubehalten. Das Angebot inkludiert die kostenlose Freischaltung des A1 Handys sowie Gesprächs-gutschriften. Vertrags-Kunden können zum Erstanmeldepreis aus dem attraktiven A1 Portfolio, bei dem auch Null-Schilling-Handys angeboten werden, wählen und bekommen darüber hinaus Gesprächsgutschriften. Prepaid Kunden erhalten beim Erwerb eines neuen B-Free Mobiltelefons ebenfalls eine Gesprächsgutschrift. Beim Umstieg von einem Wertkartenhandy in einen A1 Vertrag kann die bestehende Rufnummer beibehalten werden. 

Möglichkeiten der modernen Mobilfunktechnologie nützen:

Das moderne GSM-Netz bietet den Kunden heute Möglichkeiten, die das D-Netz mit seiner Technologie nicht aufweist: Innerhalb des A1 Netzes können mehr als 2,8 Millionen Kunden um ATS 1,-- erreicht werden, vom D-Netz ins A1 Netz und in andere Netze waren es bis zu ATS 4,50. Zusätzlich kann man mit GSM im Ausland telefonieren (Roaming), SMS versenden und auch alle Vorteile der derzeitigen Mobilfunktechnologie ausschöpfen: das mobile Internet über WAP, die schnelle Datenübertragung via GPRS und sämtliche m-commerce Anwen-dungen. Der GSM Bereich bietet Kunden ein weitaus größeres Potenzial an Endgeräten mit individuellen Anwendungsmöglichkeiten und Styling Elementen. 
"Mit der Abschaltung des D-Netzes geht eine Ära zu Ende, an die sich die "Handy-Pioniere" unter unseren Kunden wahrscheinlich wehmütig zurückerinnern werden. Ich möchte mich für das Vertrauen, das uns unsere "Handy-Nutzer der ersten Stunde" entgegen gebracht haben, sehr herzlich bedanken. Wir werden sie mit großem Engagement vom analogen D-Netz ins digitale A1 Netz führen, wie wir es schon in der Vergangenheit erfolgreich getan haben. Unsere Aufgabe der Zukunft wird es werden, unsere große "digitale Kunden-Community" in die "dritte Generation/3G" zu führen und mit deren Diensten und Services vertraut zu machen", so Nemsic. 

Eine eigene kostenlose Info-Hotline steht allen Kunden von Mobilkom Austria für Anfragen zur Verfügung: 0800 664 663. 

Chronik: Der grosse, letzte Tag, der 28. Februar 2002:

23h00:    Alles wie gewohnt.

23h40:    Abgemeldete D-Netz-Telefone können wieder aktive Gespräche führen

23h50:    Netzseitiges Auflegen der Telefongespräche.

23h51:    Einwahl wieder möglich.

00h01:    Gespräch wird wieder vom Netz beendet. Danach noch Empfang. Bei erneutem Wahlversuch läutet es zwar beim Teilnehmer B, allerdings wird kein Sprachkanal mehr durchgeschalten --> Stille. (Wahrscheinlich Trennung des MSC vom EMX ???)

00h02:    0663 ist nicht mehr von anderen Netzen erreichbar. Entweder Stille oder Nettes D-Netz-Band von der mobilkom.

00h15:    Meiner Basisstation dürfte der Saft abgedreht worden sein. Empfang weg. (Floridsdorf/VSt.)

00h16:    Mobiltelefon hat wieder schwachen Empfang, wahrscheinlich läuft eine BS in der Nähe noch (vermutlich Donauzentrum???). Kein Telefonieren möglich. Nur Stille.

03h50:    In meinem D-Netz-Handkoffer (Panasonic EB2601) macht das letzte mal das Relais der Sendestufe "Klick-Klack" (das ist noch Power!!!) und meldet sich beim Netz.

04h10:    D-Netz-Basis kippt weg. Mobiltelefon bekommt "Panik", macht 5mal "Klick-Klack" dann beginnt es zu laut zu "Piepen". NetMonitor zeigt ab jetzt -125dBm.

2 Wochen später kann man beobachten wie die Mobilkom die ersten D-Netz-Antennen abbaut. Das Bild der "dicken Berta" ist Geschichte (40kg-Antenne von Kathrein). Die 6 Stück D-Netz-Antennen auf den Mobilkom-Masten verschwinden nach und nach aus dem Stadtbild:

Am 19.07.2002 schreibt die RTR/TKC die ehemaligen D-Netz-Frequenzen neu aus. Die Mobilkom und T-Mobile A ersteigern diese am 14.10.2002 wie folgt:

Die Mobilkom ersteigert die Kanäle 1-13 ( 13CH, 2x2,6MHz ) um 5,2 Mio Euro und T-Mobile A ersteigert die Kanäle 15-39 (25CH, 2x3,8MHz) um 9,6 Mio Euro. Beide Netzbetreiber setzen diese bereits wenige Wochen später großflächig für GSM in Österreich ein uns steigern so die Netzqualität wesentlich.

Das österreichische D-Netz  (ÖPL-D oder D)) oder Netz-D) war massgeblich am österreichischen "Handyboom" beteiligt und machte das Mobiltelefon salonfähig. Während die ersten Geräten noch Leuten vorbehalten waren, die viel Geld hatten (25.000 ATS und mehr) und die gerne was handfestes hatten (5kg und mehr) kamen zuletzt durchaus Geräte auf den Markt, die mit GSM-Geräten mithalten konnten. Das letzte Top-Gerät war das Nokia Ringo3 (das Einhorn) das auf der Basis des Nokia 5110/5130 (DCH-3) aufsetzte und diesem um nicht viel nachstand. Die Pläne zur Einführung von Services wie SMS lagen in den Schubladen der Equipmentlieferanten und Mobiltelefonhersteller und wären technisch leicht umzusetzen gewesen. Zurück beleiben uns die Erinnerung an die Zeit Empfanges an jedem Ort (in entlegenen Gebirgstälern und im 3. Untergeschoss), teilweise weit über die Grenzen Österreichs (Vorzugsfrequenzen), ohne Roaming, die Erinnerung an das typische "Analog-Rauschen", die kurzen Aussetzer im Gespräch für die Signalisierung. Manche von uns fanden mit dem D-Netz den Einstieg ins Handyzeitalter und haben vielleicht so einen Mobilfunk-Opa noch wo zu Hause liegen. Fix ist, dass in der Nacht vom 28. auf den 29. Februar 2002 ein Stück Mobilfunkgeschichte zu Ende ging.

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